Andacht für Sonntag, den 26. April 2020
Evangelisch-methodistische Kirche Bezirk Kassel/Großalmerode

Ihr Lieben,
manchmal wird mir schwindelig von den vielen Nachrichten um Corona. Jeder hat irgendetwas dazu zu sagen: Virologen, Wirtschaftsexpertinnen, Journalisten und Politikerinnen. Eine Unmenge an Meinungen, Erklärungen und Stimmen prasseln auf uns ein. Was ist jetzt zu tun? Was ist die richtige Maßnahme? Masken ja oder nein? Geschäfte bis 800 m² dürfen öffnen, beschließen die einen. Warum dann nicht auch größere, fragen andere. Warum Autohäuser und nicht Möbelhäuser? Der eine Virologe meint dieses, ein anderer Fachmann oder eine andere Fachfrau jenes. Wenn ich zu viele Nachrichten höre, werde ich von dem Stimmengewirr innerlich ganz flattrig. Dann wünsche ich mir eine klare Stimme, die mir sagt: Das ist jetzt zu tun und das ist jetzt auch der richtige Weg, den wir gehen müssen, um durch diese Zeit zu kommen.
Viele, die in Verantwortung stehen, versuchen uns den Weg zu weisen. Ich unterstelle ihnen, sie tun dabei ihr Möglichstes. Doch tasten sie sich unsicher Schritt für Schritt voran, weil sie es auch nicht besser wissen. Ihre Äußerungen bleiben vielstimmig und oft auch verwirrend.

Über den heutigen Sonntag (auch Sonntag des „guten Hirten“ genannt) steht ein Wort aus dem Johannesevangelium: Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. Johannes 10,11a.27-28a

Von einer Stimme ist hier die Rede. Wenn mir in diesen Tagen von zu vielen Nachrichten und Meinungen der Kopf schwirrt, hilft es mir, bewusst den Fernseher oder das Radio abzuschalten und mich auf diese eine Stimme zu konzentrieren. Man kann einen Psalm lesen, ein Lied singen, stille werden, beten und vor allem hören. Dann dringt die Stimme des guten Hirten in mein ängstliches Herz und kann mich innerlich ruhig werden lassen. Denn die Stimme gehört dem, der mich ins Leben und in seine Nachfolge gerufen hat. Der sagt, ich kenne dich, du gehörst zu mir. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein! (Jes 43,1). Ich zeige dir den Weg zum Leben, ja, zum Leben, das sogar über diese Zeit hinausgeht.

Die Stimme des Hirten wird dir nicht sagen, was jetzt die richtigen Maßnahmen im Kampf gegen Covid 19 sind. Dafür finden wir keine Anweisungen in der Bibel. Da müssen wir uns auf die leider begrenzte Weisheit von Menschen verlassen mit dem Risiko, dass diese auch falsche Entscheidungen treffen. Aber wenn ich mich mein Ohr auf  ihn hin ausrichte, dann höre ich das „Mir-wird-nichts-mangeln“ (Psalm 23), auch wenn es mir zurzeit an Begegnung mit Menschen mangelt, besonders mit euch aus den Gemeinden. „Mir-wird-nichts-mangeln“, auch wenn wir in nächster Zukunft wirtschaftlich vielleicht nicht mehr wie bisher über fette satte Auen wandern werden. Wenn ich auf die Stimme des Hirten höre, hilft mir das zu vertrauen, auch dann, wenn der Lebensweg durch finstere Täler führt. Denn er hat versprochen im Tal des Todesschatten, das jetzt viele Menschen durchschreiten müssen und das wir alle einmal werden durchschreiten müssen, werde ich nicht allein sein. „Du bist bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich“. Altbischof Walter Klaiber fragt in einem Artikel zu „Glaube, Hoffnung, Liebe in Zeiten von Corona“ (siehe unterwegs 9/2020 S. 7): „Worauf vertrauen wir? Darauf, dass die Börsenkurse immer kontinuierlich in die Höhe gehen oder darauf, dass unser Leben bei Gott geborgen ist? Die Treue Gottes und seine Liebe zeigt sich nach der Botschaft der Bibel eben nicht darin, dass immer alles glatt geht, sondern darin, dass wir auch in schwierigen Situationen darauf vertrauen dürfen, dass Gott mit uns ist und uns Kraft gibt, auch die Krise zu durchstehen.“

Lasst uns in diesem Sinne vertrauensvoll jeder und jede für sich – und trotzdem gemeinsam das Lied 379 (EmK-Gesangbuch) singen:
1. Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl; das macht die Seele still und friedevoll. Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt das Herz, sei’s spät, sei’s früh.
2. Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit. Für deinen Plan mit mir bin ich bereit. Ich preise dich für deiner Liebe Macht, ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.
3. Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht, / und du gebietest ihm, kommst nie zu spät; / drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug. / Du weißt den Weg für mich, das ist genug.

T: Hedwig von Redern 1901    M: John Bacchus Dykes 1868

Psalm 23 – Der gute Hirte
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir
einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar. Amen

Grafik: Böttcher

Gott, du guter Hirte, segne uns und behüte uns.
Gott, du guter Hirte, schütze unser Leben und bewahre unsere Hoffnung.
Gott, du guter Hirte, lass dein Angesicht leuchten über uns,
dass wir leuchten können für andere.
Gott, du guter Hirte, erhebe dein Angesicht auf uns
und halte uns fest im Glauben, dass das Leben lebendiger ist als der Tod. Amen

Wenn ihr Hilfe braucht, wendet euch bitte an uns. Wir sind zu erreichen unter der Email: katharina.lange@emk.de und michael.putzke@emk.de und telefonisch unter den Nummern 0561-16595 und 0561-5108193.

Es grüßen euch euer Pastor Michael Putzke und eure Pastorin Katharina Lange